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You are here: HomeYour DAAD: Stipendiaten in NordamerikaInformationsseiten USALand of the free

„The land of the free“: Kulturelle und andere Besonderheiten der USA.
Liebe Stipendiaten, zunächst vielleicht einmal so viel vorweg: Wer glaubt, hier sei nichts anders als zu Hause, der irrt. Auch wenn dies ebenso nahe liegend erscheinen mag, wie die schnell und einfach zu erreichenden USA: In etwa acht Stunden kommt man von Frankfurt/Main locker nach New York. Oft vergisst man, wie weit der andere Kontinent entfernt ist – geographisch wie auch kulturell.

Filme aus Hollywood, T.C. Boyles Lektüre oder gar Nordamerikastudien an der Uni machen wohl auch noch keinen USA-Kenner aus Ihnen. Wirklich begegnen werden Sie den Vereinigten Staaten jetzt, während Ihres Studienaufenthalts – und dann vielleicht auch nur einem kleinen Teil. Jeder macht seine ganz eigenen Erfahrungen und diese Artikel sollen daher nicht Leitfaden sein, sondern nur einige, naturgemäß sicher oft subjektive Beobachtungen wiedergeben.

Da der DAAD neben dem fachlichen natürlich den kulturellen Austausch fördern und unterstützen möchte, bitten wir Sie, die bisherigen Einträge nicht allein stehen zu lassen. Nutzen Sie die Chance, Diskussionsthemen aufzugreifen und von Ihren Erfahrungen und Eindrücken an daadny@daad.org zu berichten. Sie helfen so aktiv mit, Vorurteilen und Stereotypen konstruktiv zu begegnen.

Weite und Freiheit
Aus dem dicht besiedelten Deutschland ins weite Amerika zu kommen, ist eine unbeschreibliche Erfahrung. Wer eine Reise mit dem Auto unternimmt, wird feststellen, wie groß, weitläufig und auch einsam das Land ist. Ein Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit stellt sich selbst beim Durchreisenden ein und erklärt die Entstehung einiger amerikanischer Mythen, Eigenheiten und Tugenden.
Offenheit, Freundlichkeit und Freundschaft
"There are many wonderful things about the United States of America that deserve praise - [...] but none is more outstanding than the friendliness of the people." (Bill Bryson, I'm a Stranger Here Myself, New York 1999, S. 79).

Jedem Deutschen wird auch auffallen, wie einfach es in den USA ist, mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Deutsche gelten als schwer zugänglich, sie brauchen lange Anlaufzeit, bevor sie jemanden als „Freund“ bezeichnen. Die Amerikaner hingegen machen es einem durch ihre Offenheit vergleichsweise leicht, Kontakte zu knüpfen. Als „friend“ gelten hier oft schon Menschen, die Deutsche als gute Bekannte betiteln würden. Diese Dehnbarkeit des Begriffs ist Neuankömmlingen sehr zum Vorteil. Allerdings ist oft nur die äußere Schale so durchlässig. Wer den harten Kern knacken und mit Amerikanern dauerhaft und eng befreundet sein möchte, muss daran genauso hart „arbeiten“, wie bei Deutschen und wahrscheinlich Menschen aller anderen Nationalitäten auch.
Völkergemisch
Als der Schmelztiegel schlechthin gilt wohl nach wie vor New York City. Das wird schon offensichtlich bei einer Fahrt mit der U-Bahn: Schwarz neben weiß, asiatisch neben (vielleicht) irisch, mexikanisch neben (möglicherweise) schwedisch, jüdisch neben muslimisch. Ingrid Henke weist in ihrem Buch Kulturschock USA (Bielefeld 2005) darauf hin, dass in anderen Städten oder Regionen die kulturelle Vielfalt nicht so ausgeprägt sein mag und die angelsächsische Kultur die USA sicher am stärksten geprägt hat. Dennoch seien in den USA die verschiedensten Einflüsse der Einwanderer sichtbar und im Alltag verankert. So gemischt die Bevölkerung aber auch ist, alle sind Amerikaner – und in der Regel stolz darauf, in diesem Land zu leben.
"God bless America!"

Ungewohnt für unsere Augen ist die häufig und in den verschiedensten Variationen angebrachte amerikanische Flagge. Für Amerikaner ist Patriotismus etwas Selbstverständliches und Alltägliches. Stolz auf ihr Land der Freiheit, der Demokratie und der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein, ist normal und wird gezeigt. Nach den schrecklichen Anschlägen des 11. Septembers brachten Solidarität und gegenseitige Unterstützung auch eine besondere Identifikation als einiges Volk mit sich. Flaggen in Vorgärten, an Fensterscheiben, Autoantennen und als Anstecker sind überall anzutreffen, ebenso wie das Motto „God bless America!“.
Arbeitsethos und puritanisches Erbe
Amerikaner zeichnet oft eine größere Risikobereitschaft und Mobilität aus, so Ingrid Henke (Kulturschock USA, Bielefeld 2005). Beides bewirke im Arbeitsalltag ein höheres Maß an Flexibilität, den Mut, Ideen zu verwirklichen und Offenheit gegenüber den Ideen anderer. Oft sind Amerikaner schneller bereit, einfach etwas auszuprobieren. Das verleiht der Geschäftswelt in weiten Teilen eine große Dynamik, die Energie liefert und motivierend und ansteckend wirkt.

Darüber hinaus gilt Fleiß laut Ingrid Henke noch immer als wichtige Tugend. Das Ziel, etwas aus seinem Leben zu machen, es zu etwas zu bringen, ist ausgeprägter als in Deutschland. Ursprünglich stammt dieses Ziel wohl aus dem puritanischen Streben nach Glück (Pursuit of Happiness), was hauptsächlich materiellen Wohlstand bedeutete. Manche erreichen ihn, manche nicht, manche lehnen sich gegen den Konformismus dieses Strebens auf, manche reden sich ein, sie hätten es geschafft, manche geben sich zufrieden – und wieder andere quält das schlechte Gewissen, weil sie es nicht richtig versucht haben.
Selbstverteidigung
Eine Schusswaffe besitzen zu dürfen ist im zweiten Artikel der Bill of Rights als Grundrecht verankert. Natürlich gibt es Begrenzungen des Rechts auf Waffenbesitz, doch die Schwelle ist vielen Kritikern zu gering, v.a. hinsichtlich des Waffenmissbrauchs durch Kinder und Jugendliche.
Individualität
Be what you wanna be – Amerika als das Land des Individualismus, jeder kann sein, was und wie er möchte - dafür steht Amerika als Inbegriff der Freiheit für den Einzelnen. Auch diese Tendenz geht auf den Puritanismus zurück. Die ersten Siedler waren aus England geflohen vor Unterdrückung wegen ihres Glaubens. In der Neuen Welt sollte sich jeder frei entwickeln dürfen – allerdings im abgesteckten religiösen und gesellschaftspolitischen Rahmen.

"Rule Number 1: Follow all Rules" (Bill Bryson)

Die Auswirkungen dessen sind bis heute spürbar: ein sehr hohes Maß an Freiheit, Individualität und Toleranz, in Schach gehalten von mal mehr, mal weniger Regeln und Begrenzungen.
Medien
Der Fernseher ist in den USA ein sehr beliebtes Unterhaltungsmedium. Es gibt hier im Programm eigentlich nichts, was es nicht gibt. So zum Beispiel einen Kanal, auf dem sich alles um Essen und Essenszubereitung dreht. Ansonsten findet man viele Programme, die auch in Deutschland inzwischen Einzug gehalten haben, wie Comedy-Serien, Courtroom-und Reality-Shows, Soap Operas, Home Shopping-Sendungen, aber auch reine Nachrichtensender und natürlich Spielfilme. Die Statistik besagt, dass in amerikanischen Haushalten durchschnittlich etwa eine Stunde länger aktiv ferngesehen wird, als in Deutschland (Ingrid Henke: Kulturschock USA, Bielefeld 2005). Außerdem sei das Fernsehen in den USA zum Nebenbei-Medium avanciert – aber diese Tendenz kennen wir ja auch bereits aus Deutschland.
Liefern Sie uns Input!
Die Liste ist natürlich längst nicht vollständig und sicher auch nicht zu generalisieren. Vielleicht haben Sie ja ganz andere Erfahrungen gemacht und möchten Ergänzungen vornehmen?
Berichten Sie uns von Ihren Beobachtungen und Erlebnissen! Dabei spielt übrigens die Länge Ihrer Beiträge keine Rolle: Ob kurzer Hinweis, Kommentar oder langer Bericht - wir freuen uns auf Ihren Input! Schicken Sie Ihre Beiträge an
daadny@daad.org und wir stellen sie online.

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Last updated: November 1, 2007