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DAAD Nordamerika Nachrichten
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DAAD Nordamerika Nachrichten
You are here: Nordamerika NachrichtenNordamerika Nachrichten - 25. November 2005

Subject: Nordamerika Nachrichten - 25. November 2005
Posted by: stefan
Date Posted: 11/25/05
Deutscher Akademischer Austauschdienst / DAAD

Nordamerika Nachrichten - 25. November 2005


Die Themen dieser Woche:


* Zwischen Utopie und Dystopie: Ausblick des Chronicle of Higher Education

* 2006 soll nach Wunsch des US-Senats das 'Year of Study Abroad' werden

* Financial Times berichtet prominent von geplanten Einschraenkungen internationaler Forschung

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Liebe Leserinnen und Leser,

Die mit Thanksgiving in dieser Woche beginnende Phase des Jahresausklangs ist fuer den Chronicle of Higher Education der Anlass fuer einen Ausblick auf die Situation der hoeheren Bildung in den USA im Jahr 2015, und in zehn Jahren sollen nach den Wuenschen des US-Senats deutlich mehr amerikanischen Studenten Erfahrungen im Ausland gesammelt haben.
Zudem berichtet die Financial Times prominent von Plaenen der US-Regierung, den Zugang von Forschern vor allem aus dem asiatischen Ausland zu Projekten in den USA zu erschweren.

Eine interessante Lektuere wuenscht Ihnen

Stefan Altevogt

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* Zwischen Utopie und Dystopie: Ausblick des Chronicle of Higher Education

Rechtzeitig zum Jahresausklang befasst sich der Chronicle of Higher Education in dieser Woche umfangreich mit Prognosen fuer die Situation der hoeheren Bildung in den USA im Jahre 2015. Ausgehend von vorliegenden demografischen Fakten und deren Hochrechnung werden fuer neun Einzelaspekte jeweils eine pessimistische und eine optimistische Prognose erstellt.

Die Einzelaspekte sind: Small Liberal Arts Colleges, Student Aid, Fund Raising, Research, For-Profit Colleges, Tenure, Growing Enrollments, Shrinking Enrollments und America's Global Brand.

Die aus deutscher Sicht wohl spannendste Prognose ist die zur internationalen Entwicklung. America's Global Brand wird im worst-case-scenario als Folge eines weiteren Terroranschlags 2015 nur noch knapp 300.000 internationale Studenten anziehen und damit hinter Grossbritannien liegen. Es wuerden nur noch 10% aller ausserhalb ihres Heimatlandes eingeschriebener Studenten in den USA studieren, im Gegensatz zu 28% heute. Optimistische Prognosen gehen davon aus, dass sich internationale Studierende kuenftig in den USA wieder willkommener fuehlen, dass sich die antiamerikanischen Ressentiments vor allem in der moslemischen Welt abschwaechen, und dass trotz steigender Anstrengungen asiatischer Laender im Bereich der Graduate Schools der Stellenwert amerikanischer Forschung die USA weiterhin fuer die besten Koepfe attraktiv bleiben laesst.

Mit der demografischen Entwicklung hatten wir uns in den Nordamerika Nachrichten vom 11. November fuer einige Bundesstaaten schon befasst (Eine Zahl als politisches Argument: der Preis der Bildungsferne). Man rechnet allgemein mit einem leichten Anstieg der Absolventenzahlen von High Schools von derzeit 3 Millionen pro Jahr auf 3,2 Millionen im Jahr 2009 und danach mit einem leichten Rueckgang. Der ethnische Mix der Absolventen von High Schools wird sich veraendern: weniger weisse, traditionell bildungsnahe Absolventen, dafuer deutlich mehr lateinamerikanische, traditionell eher bildungsferne Absolventen.

Die kleinen Liberal Arts Colleges werden schlimmstenfalls erheblich unter der Ausduennung ihrer traditionellen Stammkundschaft der weissen Mittelklasse in den Ostkuestenstaaten leiden und bis auf die etwa 20 staerksten Einrichtungen mit entsprechendem Vermoegen (darunter Amherst und Williams College) in ihrer Existenz bedroht sein. Bestenfalls gelingt es ihnen, im boomenden Suedwesten neue Studenten aus Minoritaeten zu rekrutieren, denen die vergleichsweise allgemeinbildende Ausbildung an einem Liberal Arts College erstrebenswert ist.

Die finanziellen Hilfen fuer Studenten werden 2015 bestenfalls mit der Preisentwicklung fuer hoehere Bildung Schritt gehalten und gewaehrleistet haben, dass kein geeigneter Kandidat aus Kostengruenden auf ein Studium verzichten muss. Schlimmstenfalls kommt die Spirale in Schwung, die ueber geringere Zuwendungen der oeffentlichen Hand an die Einrichtungen die Studiengebuehren ueberproportional steigen laesst, und vielen Kandidaten darum ein Studium nicht mehr lohnenswert bzw. nicht mehr finanzierbar erscheint.

Der Rueckzug der oeffentlichen Hand aus der Finanzierung der Hochschulen laesst das Fundraising staerker in den Mittelpunkt des Interesses ruecken. Optimisten sehen die Moeglichkeit, dank der geburtenstarken Jahrgaenge, die nun in ertragsstarken Positionen arbeiten, das 2015 eingeworbene Geld von derzeit 25 Milliarden Dollar im Jahr auf 50 Milliarden Dollar verdoppeln zu koennen. Pessimisten sehen eine sich abflachende Konjunktur voraus und daher trotz geburtenstarker Jahrgaenge auch kein grosses Wachstumspotential beim Fundraising.

Das aus der Sicht der For-Profit Colleges beste Szenario sieht fuer 2015 einen Marktanteil von 10% an den 20 Millionen amerikanischen Studenten voraus. Am gesamten Jahresumsatz der hoeheren Bildung von voraussichtlich 650 Milliarden Dollar werden die For-Profit Colleges dann einen Anteil von 7,5 % haben. Pessimisten folgen den Voraussagen der beiden Wall-Street-Analysten Jeffrey Silber und Harris Nesbit, wonach die erwarteten Wachstumsraten fuer wenigstens ein Viertel der Firmen nicht realisierbar sein werden. Zudem geraten die Firmen unter Druck traditioneller Colleges, die verstaerkt Fernstudien ueber das Internet anbieten werden.

Die optimistische Prognose im Hinblick auf den tenured Professor geht davon aus, dass eine Untersuchung ueber nachlassende Studienleistungen im Jahr 2010 politischen Schockwellen ausloesen wird. Diese Schockwelle wuerden zu einer verbesserten oeffentlichen Finanzierung und damit zu kleineren Kursen und einem Anteil von tenured Professoren am Lehrkoerper von 50% fuehren. Pessimisten sehen einen staerkeren Wettbewerb unter den Hochschulen um die Studenten und das knappere oeffentliche Geld voraus. Um Kosten zu reduzieren und flexibel bleiben zu koennen, wuerden die Hochschulen die Lehre zu 70% von Teilzeit-Angestellten und Adjunct Professors bewaeltigen lassen.

In Bezug auf den Anteil der Universitaeten an der amerikanischen Forschung sehen Pessimisten die Gefahr, dass in der oeffentlichen Wahrnehmung die Unterscheidung zwischen universitaerer Forschung und wirtschaftlichen Interessen zunehmend verschwimmt und damit die Finanzierungsgruende schwaecher werden. Optimisten sehen in der Annaeherung an die Industrie die Moeglichkeit einer zumindestens finanziell aussichtsreichen Zukunft universitaerer Forschung als Forschung fuer die Industrie. Waehrend heute 7% der universitaeren Forschung von der Industrie beazahlt wird, sollen es nach der Prognose 2015 15% sein.

Die Prognose der Einschreibungen in den Staaten mit wachsender Bevoelkerung und denen mit schrumpfender Bevoelkerung ist insofern nicht ueberraschend, dass die demografischen Tendenzen ebenso unbestritten sind wie die zu erwartende Gesamtzahl der Studierenden. In dem Masse, wie es den boomenden Staaten gelingt, die steigende Nachfrage nach hoeherer Bildung lokal zu befriedigen, werden die Staaten mit schrumpfenden Einwohnerzahlen Studierende verlieren.

Sie finden den Beitrag des Chronicle of Higher Education unter:
http://chronicle.com/weekly/v52/i14/14a00101.htm

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* 2006 soll nach Wunsch des US-Senats das 'Year of Study Abroad' werden

Ende der vergangenen Woche verabschiedete der amerikanische Senat eine Resolution unter dem Motto 'Year of Study Abroad'. Im kommenden Jahr soll danach der Tatsache verstaerkt Beachtung geschenkt werden, dass weniger als 1% der amerikanischen Undergraduate-Studenten waehrend ihres Studiums Zeit im Ausland verbringen, waehrend gleichzeitig fast 600.000 internationale Studenten aus mehr als 200 Laendern in den USA studieren.
Senator Richard Durbin formulierte bei der Debatte der Vorlage: "Now more than ever, America needs citizens who can understand and communicate with people all over the world(�)The future of our nation depends on our ability to prepare the next generation of leaders for an increasingly complex global society."
Die derzeitige Situation ist auch aus anderen Gruenden verbesserungsbeduerftig, denn laut Ergebnissen einer Umfrage des National Geographic waren 87% der amerikanischen Studenten zwischen 18 und 24 nicht in der Lage, auf einer Weltkarte den Irak zu finden, 58% konnten Japan nicht verorten und fuer 11% war selbst die geografische Lage der USA ein Geheimnis.
Wenn auch die Resolution nur eine allgemeine Absichtserklaerung ist, mit der hoehere Schulen, Colleges, Universitaeten und die Wirtschaft ermutigt werden sollen, Study Abroad kuenftig staerker zu foerdern, so ist doch bemerkenswert, dass das Thema inzwischen nach den Willen des Senats staerkere oeffentliche Beachtung finden soll.

Sie finden den Text der Resolution unter:
http://thomas.loc.gov/cgi-bin/query/D?c109:1:./temp/~c109jEAtDO::

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* Financial Times berichtet prominent von geplanten Einschraenkungen internationaler Forschung

Die Financial Times berichtet heute auf der ersten Seite (und oberhalb der Falz) von einem Vorhaben der amerikanischen Regierung, aus Sicherheitsgruenden Forschern vor allem aus China die Teilnahme an Projekten in den USA zu erschweren, und das dieses Vorhaben von Seiten der Industrie und der Hochschulen auf heftige Kritk stoesst.

Sie finden den Beitrag der Financial Times unter:
http://news.ft.com/cms/s/5a57b68e-5d2f-11da-8cde-0000779e2340.html

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Last updated: January 17, 2008